Christoph Baumann

„Gewaltfreiheit hängt für mich im Tiefsten damit zusammen, dass ich eine Verbindung mit allem, was lebt, spüre. Gewaltfreiheit hat auch immer damit zu tun, die eigene Gewalt oder Gewaltbereitschaft anzusehen und zu bearbeiten, sich damit auseinander zu setzen. Und dann auch mit anderen Menschen, eben gerade auch denen, die anders sind, und dann auch mit denen, die Leben zerstören. Die spirituelle Dimension ist diese Verbindung. Die politische Dimension ist die Aktion, die aus dieser gespürten Verbindung erwächst: Leben, das bedroht, zerstört oder an seiner Entfaltung gehindert wird, zu schützen. Das heißt, Widerstand gegen (direkte, strukturelle, kulturelle) Gewalt zu leisten. Aber auch: gewalttätige Menschen als Menschen zu sehen und eben die menschliche Verbindung zu erspüren und zu bejahen. Für soziale Gerechtigkeit einzutreten, aber die Unterdrücker eben nicht zu verteufeln und zerstören zu wollen, sondern auch ihre Menschlichkeit, wie tief verborgen sie auch sein mag, zu sehen.“

„Am Ende blieb für mich die Erkenntnis, dass es nicht darum geht, diese Methoden einzupacken, und irgendwann mal rauszuholen, wenn man sie braucht. Es geht eigentlich um mich, ich bin das Instrument sozusagen, ich bin mein eigenes Instrument der Friedensarbeit.“

„Bei diesem Projekt ging es immer wieder darum, dass ich irgendwie von der einen Seite oder von der anderen Seite irgendwo reingezogen wurde oder dass die Parteien versuchen, dich auf ihre Seite zu bringen. Mir war immer wieder wichtig, da zu bleiben, wo ich beiden helfen kann, sich Gehör zu verschaffen, aber wo sie letztendlich gemeinsam die Verantwortung für die Lösung übernehmen.“

Gewaltfreiheit als Weg zu sehen, als spirituellen und gleichzeitig politischen Weg, diese Perspektive macht Christoph Baumann stark. Christoph stieß eher zufällig auf der Suche nach weiteren Methoden auf den Aufbaukurs des Ökumenischen Dienstes Schalomdiakonat. Gefunden hat er eine Haltung und viele Perspektiven, Ansätze, Impulse, die er in seiner jetzigen Arbeit in einem Projekt des Center for Christian Spirituality (Kapstadt, Südafrika) in der Männerarbeit ebenso wie in seinem familiären Umfeld lebt und weiterzuentwickeln versucht. Christoph besuchte den Aufbaukurs von 2000 bis 2001 während seiner Vikariatszeit in der Nähe von Gießen, Deutschland. Während dieser Zeit wuchs für ihn der Wunsch, wieder nach Südafrika zurückzugehen. Die Entscheidung für den Kurs wurde zu einer Entscheidung für eine tiefere, lang anhaltende Auseinandersetzung mit Konflikten und mit Friedensarbeit: als Friedensfachkraft, in den theoretischen Reflexionen als Theologe und in seinem Familienalltag als zweifacher Vater.

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